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Die Schreibpause als Problem

 

Viele Autoren bemühen sich darum, täglich an ihren Werken zu schreiben. Andere hingegen schaffen es vielleicht nur einmal die Woche oder noch seltener. Egal, mit welcher Frequenz du an deinem Werk arbeitest: Früher oder später wirst auch du in den „Genuss“ einer längeren Schreibpause kommen.

 

 

Es ist common sense, dass die tägliche Beschäftigung mit einem Werk dir dabei hilft, am Ball zu bleiben. Es fällt dir leichter, den Faden nicht zu verlieren. Hinzu kommt, dass Disziplin sich bezahlt macht. Du lernst einerseits, dich regelmäßig zur Abarbeitung von Aufgaben durchzuringen und kannst das mit viel Glück auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Andererseits bist du – ganz basal gesprochen – schneller mit deinem Werk fertig. Und kannst dich zügiger um den Upload oder die Vermarkung kümmern.

 

 

Vorteile des Abstands

 

 

Manche Autoren brauchen kreative Phasen, um an ihren Schriftstücken arbeiten zu können. Während der eine oder andere sich hinsetzen und einfach schreiben kann, kommt bei anderen der Schreibfluss erst mit der Motivation. Du hast eine zündende Idee und bist dir sicher: Jetzt kann es weitergehen! Größere Schreibpausen können Vorteile haben:

 

·        Du arbeitest wirklich nur in Topform an deinem Werk und holst das Beste aus dir raus.

 

·        Du bekommst Abstand und eventuell neue Ideen, die dir ohne die Pause nicht gekommen wären.

 

·        Du verbringst keine unnötigen Stunden vor dem PC, ohne, dass etwas dabei herumkommt.

 

Um dem ersten Punkt direkt etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es wird sich nur bedingt niederschlagen. Das ersetzt dir keine Korrektur und keinen Lektor. Und vermutlich wird dein Buch selbst dann noch Fehler enthalten.

 

 

Nachteile des Abstands

 

 

Halte dir immer vor Augen: Die nötige Konzentration, um jeden Tag oder zumindest alle zwei bis drei Tage an deinem Text zu arbeiten, kannst du lernen. Das heißt aber nicht, dass es immer funktioniert. Manchmal sind wir zu müde, zu abgespannt, können uns nicht aufs Schreiben konzentrieren oder haben einfach einen schlechten Tag. Dann müssen wir einfach einsehen, dass es nichts bringt, uns zum Schreiben zu zwingen. Allerdings haben längere Schreibpausen, die sich über etliche Wochen oder Monate strecken können, auch Kehrseiten:

 

  • Du vergisst Details und verlierst womöglich den Überblick.
  • Du verlierst dein Werk womöglich komplett aus den Augen und findest die Motivation nicht wieder.
  • Du hast mehr Zeit zu zweifeln und dein komplettes Konzept über den Haufen zu werfen.

     

 

Der letzte Punkt ist zwar nicht per se schlecht, kann aber auch dazu führen, dass du alles infrage stellst. Du wärst nicht der erste Autor, der nach einer langen Schreibpause sein Werk gänzlich verworfen oder gar von vorne angefangen hätte. Ich habe irgendwann gelernt, dass es als Künstler nicht schlecht ist, seine Werke zu verwerfen. Das zeugt von Selbstreflektion und dem Versuch, Qualität zu liefern. Fraglich ist eher, ob eine Endkorrektur deines Textes dich nicht doch noch zufriedengestellt hätte.

 

 

Mit Schreibpausen umgehen

 

 

Zu Schreibpausen kann es immer wieder einmal kommen. Immerhin haben wir alle ein Privatleben, zumeist einen anderen Job und durchaus auch andere Dinge zu tun. Das ist auch kein Beinbruch. Um zu verhindern, dass du gänzlich den Anschluss verlierst, gibt es einige Dinge, die du tun kannst.

 

 

Notizen im Voraus

 

 

Jeder Autor hat seine eigene Vorgehensweise beim Schreiben. Und das ist auch gut so. Während einige ihre Geschichte komplett durchplanen, bevor sie mit dem Tippen anfangen, schreiben andere einfach drauf los. Daran ist nichts falsch. Um jedoch zu verhindern, dass du nach längeren Pausen nicht mehr weißt, was du vorhattest, ist es immer sinnvoll, sich Ideen aufzuschreiben. In welcher Form du das tust, bleibt gänzlich dir überlassen. Du kannst alle Kapitel vorplanen und dir ein Dokument anlegen oder du machst eine Mind Map mit allen Gedanken, die dir zu dem Werk in den Sinn kommen.

 

Hab immer ein Heft oder Notizbuch dabei, um neue Geistesblitze niederzuschreiben oder nimm alles mit einem Diktiergerät auf. Zusätzlich ist es sinnvoll, alles bisher Geschriebene irgendwo in Kurzfassung zu verewigen. Notiere dir beispielsweise pro Kapitel ein bis zwei zusammenfassende Sätze. Und das bestenfalls direkt nachdem du sie abgeschlossen hast. So bringst du dich nach Pausen schneller wieder auf den neuesten Stand. Daneben können aussagekräftige Überschriften dabei helfen, dir einen Überblick zu verschaffen.

 

 

Wieder ins Werk reinkommen

 

 

Nach längeren Pausen wieder mit Schreiben anzufangen, kann schwierig sein. Wir haben vergessen, an welcher Stelle innerhalb des Werkes wir uns befinden und wissen eventuell nicht mehr, was wir für das Kapitel geplant hatten. Je nachdem wie groß die Pause war, haben wir vergessen, welche äußere Form wir gewählt haben oder uns ist entfallen, aus welcher Perspektive oder gar Person das Ganze verfasst wurde. Schreibpausen bedeuten mit Pech Stilbrüche.

 

Um das zu verhindern, ist es immer sinnvoll, dich wieder einzulesen. Manchmal reichen die letzten Zeilen, manchmal das letzte Kapitel. Zusätzlich gemachte Notizen vereinfachen es dir, dich wieder in die Geschichte einzufinden. Und wenn alle Stricke reißen kommst du um eine komplette Lektüre des bisher Verfassten nicht herum.

 

 

Was, wenn die Motivation fehlt?

 

Du hattest in den letzten Wochen eine Menge um die Ohren, dein Leben stand Kopf oder du hattest einfach keine Motivation, weiterzuschreiben. Und je länger du dein Werk liegenlässt, umso wahrscheinlicher wird es, dass du es nie wieder anfasst. Ich wiederhole das gerne noch einmal. Tatsächlich braucht Schreiben vor allem eines: Disziplin. Du brauchst nicht unbedingt eine kreative Phase. Nicht immer wird dir jede Szene leicht von der Hand gehen. Wichtig ist, dass du lernst, dranzubleiben.

 

 

Wie ich in dem Artikel Der Ton macht die Musik bereits geschrieben habe, hilft Musik mir dabei, meine Motivation wiederzufinden. Ich habe für einen Text beziehungsweise ein Werk entweder ein einzelnes Lied, das ich damit verbinde oder gleich eine ganze Playlist. Die hilft mir nicht nur während des Schreibens, sondern auch dann, wenn ich mal nicht weiterkomme. Die Songs packe ich mir auf einen Stick oder eine CD und höre sie zwischendurch. Und mit Glück kommt die Motivation zurück. Musik leitet nicht nur Emotionen, sondern kann in mehrerlei Hinsicht durchaus beflügelnd sein.

 

 

Persönliche Erfahrungen mit Schreibpausen

 

Ich war in den letzten zwei Monaten nicht nur hier inaktiv, sondern auch auf meiner Fanfictionseite. Und was die Fanfics betraf, galt auch für meinen Thriller: Er lag brach. Ich kam einige Zeit einfach nicht dazu, weiterzuschreiben. Schuld waren räumliche Veränderungen. Mir fehlte am Ende des Tages einfach der Kopf, um weiterzumachen. Ich konnte mich nicht konzentrieren.

 

Trotz der Pause bin ich inzwischen wieder auf dem neuesten Stand und habe es geschafft, den Faden bei meinem Thriller wiederzufinden. Immerhin zwei oder drei Kapitel sind in den letzten Wochen rumgekommen. Das mag nicht viel sein – aber es heißt auch, dass das Werk nicht tot ist.

 

Tatsächlich war die Pause lang genug, dass mir vor allem drei Dinge klargeworden sind:

 

  • Ohne vorherige exakte Planung wäre ich verloren gewesen.
  • Die Navigation und die Kapitelüberschriften sowie die der einzelnen Szenen waren Gold wert.
  • Ich muss alles noch einmal lesen, um wieder reinzukommen.

 

 

Das waren bis dato immerhin um die 40.000 Wörter. Dabei habe ich die erste Grobkorrektur hinter mich gebracht. Und gleichzeitig meine eigene These bestätigt:

 

 

 

 

Längere Pausen sorgen dafür, dass wir unser Werk überdenken.

 

 

 

 

Bei meinem Thriller schlug sich das insofern nieder, dass ich tatsächlich die Antagonisten verändert habe. Das wiederum führte dazu, dass ich ab der Hälfte meine gesamte Kapitelplanung über den Haufen werfen und neu strukturieren musste.

 

 

Versteh mich nicht falsch: Die kreative Pause hat mir tatsächlich geholfen. Ich bin mit dem neuen Konstrukt zufriedener als vorher. Trotzdem können zu lange Pausen auch für das Gegenteil sorgen. In meinen Augen ist eine anständige Struktur das A und O. Es ist wichtig, dass du niederschreibst, was du vorhast und deine Ideen irgendwo festhältst.

 

 

 

Aber vielleicht ist auch nicht jeder so vergesslich wie ich. Kannst du dir über Monate hinweg die kleinsten Ideen merken und darauf zurückgreifen? Schreib mir, wie du mit langen Schreibpausen umgehst!

 

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