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Altes Buch verwerfen: die bittere Lektion?

Mein Kunstlehrer hat irgendwann einmal zu uns gesagt, dass man seine eigenen Werke auch verwerfen können muss. Dieser Gedanke verfolgt mich bis heute und trotzdem fällt es mir zunehmend schwer, mich danach zu richten.

 

 

Ende 2010 habe ich meinen ersten Roman begonnen. Ein Fantasybuch, das als Ablenkung während der Abiturzeit fungieren sollte. Tatsächlich ist es mir gelungen, am Ball zu bleiben. Und auch, wenn ich immer seltener dran gearbeitet habe, bin ich 2017 irgendwann endlich damit fertiggeworden. Und ganz ehrlich: Zwischendurch hatte ich mindestens drei Korrekturdurchläufe, weil ich mich verändert habe und der Anfang der Geschichte zunehmend sprachlich nicht mehr zum Ende passen wollte. Was anfangs als Roman für Jugendliche gedacht war, wurde immer mehr zu einem, das ich frühestens ab 16 Jahren empfehlen würde. Das Problem: Das Buch ist als Mehrteiler angelegt gewesen. Und nun stehe ich vor der Schwierigkeit, dass mich der Mut verlassen hat.

 

 

Distanzproblem?

 

Ich weiß nicht ganz woran es liegt, aber schlussendlich habe ich den ersten Teil des Fantasyromans nur einer Testleserin geschickt. Seitdem liegt es auf dem Rechner und staubt erneut vor sich hin. Motivation, mich ans zweite zu setzen? Fehlanzeige. Zwar gibt es ein Lied, das mich immer wieder kurzzeitig daran erinnert, dass ich weiterschreiben könnte, allerdings komme ich trotzdem nicht von der Stelle. Ob es daran liegt, dass ich in der Zwischenzeit aus dem Buch herausgewachsen bin? Oder daran, dass ich einfach zu lange daran gearbeitet habe und die Frustration sich allmählich ihren Weg gebahnt hat? Sicher bin ich nicht. Aber in letzter Zeit kommt mir immer häufiger der Gedanke, das komplette Buch einfach zu verwerfen. Dabei reden wir hier von 385 Normseiten und über 90.000 Wörter in der Endversion. Dazu kommt, dass es anfangs sicher fast 500 Seiten waren und eine ganze Menge Arbeit drinsteckt. Fehlt mir Abstand?

 

 

Anderes Werk als Reset

 

Vorerst habe ich mich dafür entschieden, Astral – so der Arbeitstitel des Fantasyromans – noch eine Chance zu geben. Allerdings brauche ich dafür tatsächlich Zeit. Sicherlich denkst du dir jetzt: Hast du nicht schon genug Zeit investiert? Richtig. Deshalb brauche ich zunächst Zeit für etwas Anderes. Einen anderen Roman, einen Einteiler. Vielleicht habe ich mich für den Anfang mit einem Mehrteiler übernommen und habe Schwierigkeiten, mein Interesse dauerhaft zu fokussieren. Mein Thriller gibt mir das Gefühl, vom Fleck zu kommen und habe nicht den Eindruck, weitere Jahre zu verschwenden. Wenn die Zeit kommt, werde ich Astral bestimmt noch einmal auspacken. Womöglich habe ich dann die nötige Distanz, die ich brauche, um mich einerseits an die endgültige Korrektur des ersten Bandes zu setzen und andererseits, um das zweite und dritte Buch anzugehen. Denn es ist nicht so, dass mir die Ideen fehlen. Ich weiß sehr genau, worum es im zweiten Teil gehen soll. Doch zurzeit habe ich eine Blockade, die ich für mich nicht überwinden kann.

 

 

Gespaltenes Interesse?

 

Der eine oder andere kennt das Problem vielleicht von Fanfictions. Du hast ein neues Fandom für dich entdeckt und willst unbedingt etwas dazu schreiben. Doch nach fünf bis zehn Kapiteln verlässt dich die Motivation. Der erste Höhenflug ist vorbei und die Charaktere sind auf einmal doch nicht mehr so interessant. Oder du hast ein neues Fandom für dich entdeckt, das direkt wieder neue Aufmerksamkeit fordert. Wer denkt, dass Romane dagegen weitestgehend gefeit sein sollten, liegt falsch. Wer immer wieder neue Ideen hat und sie umsetzen möchte, steht schnell vor einem Problem. Vor allem, wenn er sein Interesse nicht spalten kann. Multitasking beim Schreiben? Kann definitiv nicht jeder. Doch das ist es in meinem Fall nicht. Denn nicht die neue Idee ist das Problem, sondern die alte. Immerhin habe ich zwischendurch auch problemlos Fanfictions schreiben können, ohne mit Astral aufzuhören. Schlussendlich bleibt mit nur zu hoffen, dass Echo der Vergangenheit mir dabei helfen wird, für Astral die nötige Distanz zu gewinnen.

 

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