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Der Ton macht die Musik: Vom Song zur Geschichte

 

Jeder Autor hat seine eigenen Methoden, um sich zu motivieren. Eine, die mir besonders hilft, ist die Musik. Liedtexte können ebenso inspirierend sein wie Bilder oder Szenerien in der Natur, der Stadt oder der Industrie.

 


Was Töne können

 

Fast jeder kennt es: Du hörst ein Lied und es geht dir durch Mark und Bein. Zuerst sind es oft nicht die Texte, die uns berühren, sondern die Melodie. Töne können unterschiedliche Gefühle vermitteln und bringen Emotionen häufig besser herüber als gesprochene Worte es könnten. Das kennen nicht nur Künstler, sondern auch Sportler. Ein schneller Rhythmus lässt uns beim Ausdauertraining am Ball bleiben. Er gibt uns den Takt vor und aktiviert unsere Willenskraft. Künstlern hingegen bringt Musik nicht nur Motivation. Sie trägt auch gleichzeitig dazu bei, sich auf eine entsprechende Stimmung einzulassen. Langsame, weiche Töne können zum Beispiel förderlich sein, wenn ein Maler ein romantisches Bild auf Papier oder Leinwand bringen möchte.

 

„Funktioniert das bei Autoren genauso?“

 

Grundsätzlich kann die Musik auch für Autoren ein Hilfsmittel sein. Melodien haben die Fähigkeit, auch Wortkünstler in die passende Befindlichkeit zu versetzen, die sie benötigen, um an einem Werk weiterzuarbeiten. Natürlich gilt das nur dann, wenn du die richtige Musik für dich auswählst. Nicht jeder Interpret ist für jede Art von Szene geeignet. Wer sich für Ballermann-Musik entscheidet, während er den Tod seines Protagonisten zu inszenieren versucht, wird Schwierigkeiten bekommen.

 

Und das ist es, woran wir sehen: Musik erschafft ein Konstrukt. Sie ist häufig künstlich erschaffen und ruft beim Zuhörer Gefühle hervor, die auf kein Ereignis gegründet werden. Songs, die das können, haben ihr Ziel erreicht: zu berühren. Hört sich unromantisch an, oder? Macht nichts: Schließlich sind die Geschichten, die wir erschaffen, auch eine Fiktion.

 

Songtexte als Hilfestellung?

 

Was ist hingegen mit Liedtexten? Sie gehören immerhin zu einer Vielzahl an Songs dazu. Texte unterstützen die Melodie und drücken oftmals auf der Gegenseite die Emotionen des Musikers aus. Und die, die es nicht tun, gaukeln es uns zumindest vor. An diesem Punkt gehen die Meinungen von Autoren weit auseinander. Einige sind nicht dazu in der Lage, konzentriert zu schreiben, wenn nebenbei gesungen wird. Kaum unverständlich, wenn man bedenkt, dass viele Autoren auch nicht genug Ruhe haben, wenn jemand anderes im Raum ist. Das schmälert die Konzentration. Zumindest bei vielen.

 

„Der Text lenkt mich ab!“

 

Tatsächlich habe ich das schon mehr als einmal gehört. Und das gilt sicherlich sowohl für Fanfictionautoren als auch für Romanautoren. Einfacher wird es womöglich, wenn wir beispielsweise die Sprache nicht kennen. Wir können uns nicht auf den Text konzentrieren und die Stimmen werden in unserem Kopf als Töne aufgenommen und durchgewunken. 

 

„Ich schreibe besser mit Liedtext!“

 

Auf der anderen Seite steht die Autorengruppe, die mit Liedern mit Songtext besser schreiben können. Zu dieser Gruppe gehöre auch ich – um das aufzulösen. Ich für meinen Teil schreibe besser, wenn ich Musik auf den Ohren habe. Dabei ist es zumeist so, dass ich Lieder mit Text vorziehe. Warum das so ist? Ganz einfach: Ich bin ein Mensch, den Texte mehr berühren als Töne. Höre ich während des Schreibens Lieder, deren Text ich kenne, versetze ich mich automatisch in die Stimmung, die der Musiker in seinem Text vermittelt.

 


Emotionen auf den Punkt gebracht

 

Kurzum: Für mich persönlich erschaffen bestimmte Liedtexte genau die Emotion, die ich für die jeweilige Stelle in meinen Werken brauche. Das heißt für mich aber auch gleichzeitig, dass ich mir passende Lieder immer sofort in eine Liste packe. So finde ich sie zu gegebener Zeit wieder. Viele Songs sind ausreichend allgemein gehalten, dass sie zu verschiedenen Situationen passen – und doch immer noch präziser als bloße Melodien.

 

„Beeinflusst der Text dich nicht in deiner kreativen Freiheit?“

 

Meine klare Antwort: Nein. Ich schreibe in der Regel bei keiner Geschichte einfach drauf los, sondern habe einen sehr genauen Plan. Entweder hat die Musik, die ich höre, mich von Anfang an auf die Idee zur Geschichte gebracht oder aber ich wähle die Songs sehr penibel zu der entsprechenden Story aus. Von einer Beeinflussung kann hier nicht die Rede sein. Andere Autoren sehen das sicherlich anders und können mit der Offenheit, die rein instrumentale Stücke vermitteln, besser arbeiten. Menschen sind unterschiedlich und jeder muss für sich selbst das finden, was zu ihm passt.

 


Songfiction vs. Roman

 

Fanfictionautoren dürfte die Songfiction ein Begriff sein. Das Genre bietet unterschiedliche Optionen:

  1.      Die Geschichte ist aufgebaut wie ein Lied und bildet beispielsweise in sich einen Songtext.
  2.      Die Geschichte nimmt Bezug auf ein bestimmtes Lied.

 

 

Interessant ist an dieser Stelle die zweite Option. Hierbei widmet zum Beispiel der Autor sein Werk einem kompletten Song beziehungsweise nutzt Ausschnitte davon im Text, wobei der Eigenanteil überwiegen muss. Das heißt natürlich nicht zwangsläufig, dass das Lied während des Schreibprozesses in Dauerschleife laufen muss!

 

„Wie ist es mit den Songs bei Romanen?“

 

In diesem Fall kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen. Wie andere Autoren das handhaben, ist mir unbekannt. Ich für meinen Teil allerdings habe häufig eine geringe Auswahl an Songs – oftmals sogar nur einen – der mich zu meinen Geschichten und auch Romanen inspiriert und vor allem motiviert. Ich würde an dieser Stelle von Konditionierung sprechen. Die Assoziation, also die Verknüpfung zwischen dem Lied und meinem Werk, hilft mir durch Motivationsengpässe.

 

 

Ein Beispiel aus der Praxis: Meinem ersten Roman lag das Lied „Rache“ von Samsas Traum zugrunde. Ich habe jahrelang an diesem Buch gesessen und hatte teilweise große Pausen zwischen meinen Schreibphasen. Habe ich allerdings irgendwo das Lied gehört, war ich sofort motiviert, weiterzuschreiben. Ähnlich geht es mir bei meinem aktuellen Buch, das den Namen Echo der Vergangenheit tragen wird. Hier ist es Skillets „Comatose“, das mich antreibt und teilweise auch beim Schreibprozess auf und ab läuft. Und auch für meine Fanfictions habe ich ganze Listen, die mir helfen, dran zu bleiben.


Schreiben ohne Musik?

 

Und nachdem ich jetzt ewig über Melodien und Texte referiert habe, muss ich dennoch eines deutlich betonen: Ich bin mir sehr sicher, dass es auch Autoren gibt, die in vollkommener Stille produktiver sind. Du bist selbst Autor und weißt nicht, zu welcher Kategorie du gehörst? Probiere es aus! Es gibt niemanden, der dir sagen kann, was dich motiviert oder wie du tickst.

 


Meine Liste an Motivationsmusik

 

Ich möchte gerne einige Bands mit euch teilen, die sich in meinen Schreiblisten sehr häufig wiederfinden. Besonders die Künstler, die nicht rein instrumental agieren, liefern in meinen Augen sehr tiefgründige Texte ab, zu denen es sich gut schreiben lässt. Vielleicht findest du ja auch hier etwas Inspiration für dich, dein aktuelles Werk oder dein nächstes Schreibprojekt.

  • Linkin Park
  • Within Temptation
  • The Cab
  • David Garrett
  • Lindsey Stirling
  • Starset (besonders für das Science-Fiction-Genre sehr zu empfehlen!)

 

 

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